Kreditwährungen so volatil wie die Finanzmärkte
Das gab's schon seit Jahren nicht mehr: Der Yen jagte wie von der Tarantel gestochen erst runter zu seinem neuen All-time-Low von rund 170 Yen pro Euro, um sich dann in einem Kraftanfall bis auf rund 147 emporzuschwingen. Auch die Barriere zwischen 152 und 150 hielt erstmals nicht. Nur wenige Tage später steuerte er aber schon wieder die 155er-Marke an, wo der Yen - zumindest bei Redaktionsschluss - verharrte.
Auch der Franken tanzte Lambada: Die Schweizer Währung, sonst eher ein behäbiger Älpler, kletterte aufgrund der Krise hurtig auf einen Gipfel von knapp 1,58 zum Euro. Doch hier zeigte sich deutlich der Unterschied zu der Katastrophe 2001 - damals war der Franken als die klassische Fluchtwährung schlechthin auf 1,44 zum Euro gesprungen. Eine Erholung ist in Sicht; das Monatstief liegt bei 1,59 Franken pro Euro. Aus charttechnischer Sicht sei nun das nächste Ziel für den Franken das Hoch vom vergangenen Freitag bei 1,6038, sagte ein Analyst von FXdirekt. Unterstützung bietet die l,59er-Marke.
Der US-Dollar stand natürlich im Zentrum der Turbulenzen; auch hier erratische Bewegungen, die die schwere Verunsicherung an den Märkten zeigten: Vom Tiefststand bei 1,60 hatte sich die US-Währung schon im Sommer gelöst - es folgte ein Durchmarsch bis auf 1,39, von dort ein Abschwung bis auf 1,48 und schließlich ein Verharren um die 1,46 Dollar pro Euro.
Der Schluss aus dem Zirkus: Wer die Turbulenzen „verschlafen" hat, hat nicht viel verloren; die Währungen sind zum Euro zwar stärker geworden, doch wer nicht gerade zu Tiefstständen eingestiegen ist, muss bisher nur Verluste auf dem Papier von rund drei Prozent hinnehmen.
Wie könnte es nun weitergehen? Nun, zuerst einmal scheint mit dem Schnüren des US-Rettungspakets wieder etwas Ruhe in die Märkte einzukehren.
„Für die kommenden Wochen erwarten wir eine volatile Seitwärtsbewegung um das Niveau von 1,45 US-Dollar pro Euro", meint RZB - Analyst Ronald Plasser. Erst wenn die EZB dem Markt um den Jahreswechsel eine erste Zinssenkung signalisiert (der Markt spekuliert zwar schon jetzt darauf), sieht man bei der RZB die Zeit reif für einen weiteren nachhaltigen Rückgang auf 1,40 Euro. „2009 dürfte sich diese Bewegung in Richtung 1,30 fortsetzen, wenn die EZB die Zinsen senkt und sich in den USA allmählich der nächste Konjunkturaufschwung abzeichnet", meint Plasser.
Aktuelle RZB-Prognosen: Yen stärker mit 148 Yen pro Euro bis September 2009, Franken schwächer bis 1,63 im gleichen Zeitraum, Zinsen gleichbleibend.
Auch Rainer Singer vom Treasury der Erste Bank erwartet einen Dollar in einer Bewegung um die 1,45: „Wir sehen die Korrektur des Euro im Wesentlichen aus zwei Gründen vorerst als abgeschlossen: Erstens ist die Situation der US-Wirtschaft alles andere als Dollar-unterstützend und die Abwärtsrisken - wie eben erst wieder gezeigt - sind erheblich. Zweitens ist das Zinsniveau auf dem Geldmarkt in Euro-Land deutlich höher und daran sollte sich auch vorerst nichts ändern." Erste-Bank-Prognosen: Yen stärker mit 147 Yen pro Euro bis September 2009, Franken stärker bis 1,57 im gleichen Zeitraum, Zinsen gleichbleibend.
Beim Yen gibt Finanzanalyst Gerhard Massenbauer Entwarnung: „Der Zug des Yen nach oben sollte begrenzt bleiben." Er sieht den Yen nach einem Zwischenhoch in einem Jahr wieder bei rund 160 zum Euro. Der Franken werde dann bei 1,57 liegen.
Sollte man jetzt noch in die Tschechische Krone einsteigen? „Wir meinen ja", erklärt Gerhard Massenbauer. „Sie ist jedenfalls dem Franken oder dem Dollar vorzuziehen; die Finanzierungskosten liegen nur um rund 0,8 Prozent höher als in diesen beiden Währungen."
Weitere Prognosen zum Franken: Deutsche Bank 1,56 in zwölf Monaten, Commerzbank 1,62 im gleichen Zeitraum. Für den Yen: HVB 159 in einem Jahr, die Commerzbank 1,64.
Für welche Währung Sie sich auch entscheiden oder bereits entschieden haben - jetzt ist es besonders wichtig, dass Sie Ihre Kreditwährung genau im Auge behalten und sie mindestens täglich kontrollieren und im Krisenfall sofort entscheiden! FX-Kredite sind eine Finanzspekulation - das wurde schon lange nicht so klar wie jetzt...