Kredite richtig rechnen: Fremdwährung schlägt Euro!

Cashflow-Betrachtung bei 22 Prozent Aufwertung des Schweizer Franken

Kredite richtig rechnen: Fremdwährung schlägt Euro

Für einen 100.000-Euro-Kredit mit 20 Jahren Laufzeit muss man derzeit unter der Annahme eines jährlichen Zinssatzes von 6,1 Prozent pro Jahr insgesamt 129.000 Euro aufwenden - da müsste der Schweizer Franken schon um 22 Prozent aufwerten, damit der Fremdwährungskredit teurer käme

Laut Rechenprofi Peter Hinterhölzl rechnen sich Fremdwährungskredite, solange alles halbwegs nach Plan läuft. Einziger Wermutstropfen: Wegen der Finanzkrise kommt man an diese derzeit kaum heran.

Vor- und Nachteile von Fremdwährungs- oder Euro-Krediten lassen sich mit der richtigen Methode exakt berechnen, so das Credo von Peter Hinterhölzl von HPS Hierhold Presentation Services, der mit seiner Rechenmethode Finanzberater schult: „Man sollte immer genau rechnen, um das Risiko besser abwägen zu können." Auch die Frage, ob man aus der Fremdwährung heraus- und in den Euro hineingehen soll, ist genau kalkulierbar. Nicht rechenbar sei, wie sich Zinsen, Erträge von Tilgungsträgern, Inflationsraten oder Währungen entwickeln. Steige man allerdings mit realistischen Annahmen in die Rechnung ein, könne man Vor- und Nachteile genau berechnen, egal ob die Inflation während der Laufzeit im Schnitt zwei, drei oder fünf Prozent pro Jahr betrage. Auch bei der Annahme einer Inflation von Null oder 20 Prozent: „Die Rechnung stimmt immer, denn die Mathematik ist objektiv", sagt Hinterhölzl.

Am Anfang müsse man die richtigen Fragen stellen: Wie lange ist die Laufzeit, wie hoch ist der Kreditbetrag, welche Spesen, Steuern oder Gebühren sind bereits mitfinanziert, welche einmaligen Kosten sind einzukalkulieren und welche stillen Belastungen sind noch zu erwarten.

„Endfällige" als Inflationsgewinner

Spezifikum endfälliger Fremdwährungskredite: Erst am Ende der Laufzeit wird die aufgenommene Summe getilgt, während beim klassischen Annuitätenkredit die Rückzahlung während der Laufzeit erfolgt. Wesentlicher Unterschied: Bei Fremdwährungskrediten in Schweizer Franken (dem Gros der hierzulande aufgenommenen Nicht-Euro-Kredite) arbeiten Inflation und im Vergleich zum Euro niedrigere Zinsen für den Kreditnehmer. Wie groß die Differenz sein kann, rechnet Hinterhölzl an folgendem Beispiel vor. Er nimmt eine aufgenommene Summe von 100.000 Euro über 20 Jahre an, einen Zinssatz von 3,7 Prozent, eine Inflation von drei Prozent und einen gleichbleibenden Wechselkurs. Daraus errechnet sich eine quartalsmäßige Belastung von 912 Euro, nach 20 Jahren ist noch die aufgenommene Summe zurückzuzahlen. Wenn man alle Rückzahlungen mit der Inflationsrate kaufkraftbereinigt und addiert, kommt man auf110.000 Euro. Das bedeutet, der Kreditnehmer zahlt 10.000 Euro mehr zurück, als er geborgt hat. Nicht berücksichtigt sind dabei allerdings die Kreditnebenkosten!

Viel Spielraum für Aufwertungen

Anders schaut es bei einem Annuitätenkredit in Euro aus: Hier nimmt Hinterhölzl einen Zinssatz von 6,1 Prozent pro Jahr an. Das Ergebnis: Die quartalsmäßige Belastung beträgt 2.148 Euro, bei einer angenommenen Inflation von drei Prozent müsste man für die 100.000 Euro rund 129.000 Euro aufwenden, das heißt die Differenz zum Franken-Fremdwährungskredit beträgt 19.000 Euro. Im Vergleich zur Finanzierung im Euro könnte der Schweizer Franken (aktuell 1,52) um 22 Prozent aufwerten und dennoch würde der Kreditnehmer quasi pari aussteigen.

Entscheidend sei nun die Entwicklung des Tilgungsträgers, der bei endfälligen Darlehen von der Bank zusätzlich verlangt wird und dessen Renditeerwartung individuell zu beurteilen sei. Hinterhölzl rät Besitzern von Fremdwährungskrediten, sich nicht zu einem panikgetriebenen Wechsel in den Euro verleiten zu lassen. Dann könnte sehr leicht aus einem momentanen buchtechnischen Verlust ein realer Verlust werden. Haarig wird es aber für jene Schuldner, bei denen eine Unterdeckung des Tilgungsträgers droht, der die Rückzahlung am Ende der Laufzeit sichert, was die Bank sehr nervös machen könnte. Wer dann nicht zum Beispiel eine Lebensversicherung als zusätzliche Sicherheit in petto habe, sei gezwungen, von der Fremdwährung in den Euro zu gehen, was mit stattlichen Verlusten bzw. Mehrkosten verbunden sein könne.